Nervenkompression

Zervikobrachialgie

Radikuläre Schmerzen der Halswirbelsäule mit Ausstrahlung in Schulter und Arm. Bandscheibenbedingt oder arthrosebedingt.

Die Zervikobrachialgie (NCB) ist ein radikulärer Schmerz durch Kompression einer Halsnerv-wurzel (am häufigsten C5-C6 oder C6-C7). Die Kompression kann durch einen Bandscheibenvorfall (weiche NCB, eher junger Patient) oder eine Unkovertebralarthrose (harte NCB, eher älterer Patient) verursacht werden. Der Schmerz folgt einem dermatomalen Verlauf: C5 (Schulter, lateraler Arm), C6 (lateraler Arm, Daumen), C7 (posteriorer Arm, Mittel- und Ringfinger), C8 (medialer Arm, kleiner Finger). In 90% der Fälle günstige Entwicklung unter konservativer Behandlung innerhalb von 6-12 Wochen.

Merkmale

  • Radikulärer Schmerz vom Hals bis zu den Fingern, dem Dermatom der komprimierten Wurzel folgend. Verschlimmerung durch Husten, Niesen, Valsalva-Manöver. Kann pulsierend oder brennend sein.
  • Spurling-Test (Kopfneigung + axiale Kompression → Schmerzreproduktion im Arm): Spezifität > 90%. Distraktionstest (axiale Traktion → Schmerzlinderung). Reflexe, Sensibilität, Motorik des entsprechenden Dermatoms.
  • MRT der Halswirbelsäule: Referenzuntersuchung. Darstellung von Bandscheibenvorfall, Foramenstenose, Unkovertebralarthrose. EMG bei diagnostischem Zweifel (ab 3 Wochen nach Symptombeginn aussagekräftig).

Medizinische und chirurgische Behandlung

  • Konservative Behandlung in erster Linie (90% Erfolg): NSAR, Analgetika, kurzfristig Kortikoide per os. Physiotherapie. Spontane Besserung in 6-12 Wochen.
  • Schmerzpersistenz > 6 Wochen: epidurale oder foraminale Kortikoid-Infiltration unter CT- oder Fluoroskopieführung. Effektiv in 60-80% der Fälle.
  • Versagen der konservativen Behandlung > 3 Monate oder progredientes motorisches Defizit: anteriore Diskektomie und Fusion (ACDF) oder Bandscheibenprothese.

Physiotherapeutische Behandlung

  • Akutphase: zervikale Traktion, sanfte Mobilisierung, Weichteiltechniken zur Muskelspasmus-Linderung. Vermeidung provozierender Positionen.
  • Neurale Mobilisierung: progressive Neurogleittechniken für die betroffene Nervenwurzel. ULNT als Behandlungstechnik, nicht als Dehnungsmanöver.
  • Kräftigung der zervikalen Stabilisatoren: tiefe Halsbeuger, zervikale Extensoren, Skapulafixatoren. Kraniozervikaler Flexionstest zur Bewertung und Umerziehung.
  • Haltungskorrektur: Reduktion der Kopfvorwärtshaltung, Ergonomie am Arbeitsplatz, Beratung zur Schlafposition (angepasstes Kissen).

Durchschnittliche Dauer

6 bis 12 Wochen

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Wissenschaftliche Quellen

Nur allgemeine Information: Dieser Inhalt ermöglicht weder Diagnose noch Verordnung. Ihre Situation muss medizinisch beurteilt werden.