Bandverletzung

Bankart-Läsion

Ablösung des antero-inferioren Labrums nach Luxation. Knöcherne Varianten (Bony Bankart) verschlechtern die Prognose.

Die Bankart-Läsion ist eine Ablösung des antero-inferioren Labrums von der Glenoide, die bei 80-95% der anterioren Luxationen der Schulter auftritt. Das glenoidale Labrum ist ein faserknorpeliger Ring, der die Tiefe und Kontaktfläche der Glenoide um 50% vergrößert. Seine Läsion beeinträchtigt direkt die anteriore Stabilität der Schulter. Man unterscheidet die klassische Bankart-Läsion (isolierte kapsulo-labrale Ablösung) und den Bony Bankart (Fraktur des antero-inferioren Glenoidrands), wobei letzterer die Prognose signifikant verschlechtert und oft eine Latarjet-Operation statt einer arthroskopischen Reparatur erfordert.

Merkmale

  • Luxationsepisode(n) der Schulter mit residualer Apprehension in armierter Position (Abduktion + Außenrotation). Instabilitätsgefühl oder "toter Arm".
  • Apprehensions- und Relokationstest (Jobe): Spezifität > 90%. Der Patient verspürt lebhafte Apprehension in armierter Position, die durch posterioren Druck auf den Humeruskopf gelindert wird.
  • Arthro-MRT oder Arthro-CT: Darstellung der Labrum-Ablösung, Quantifizierung des glenoidalen Knochenverlusts (Bony Bankart wenn Fragment > 5% der Glenoidoberfläche).
  • Varianten: ALPSA (Anterior Labral Periosteal Sleeve Avulsion — abgelöstes aber nicht mobiles Labrum), Perthes (Labrum unter intaktem Periost abgelöst), HAGL (humerale Avulsion des inferioren glenohumeralen Ligaments).

Medizinische und chirurgische Behandlung

  • Klassischer Bankart ohne signifikanten Knochenverlust: arthroskopische Reparatur durch 3-4 resorbierbare Anker. Refixierung des kapsulo-labralen Komplexes an der Glenoide. Erfolgsrate 85-92%.
  • Bony Bankart (Knochenfragment < 20% der Glenoide): arthroskopische Reparatur mit Ankern im Knochenfragment oder Latarjet wenn Fragment zu zertrümmert.
  • Glenoidaler Knochenverlust > 20-25% (signifikanter Bony Bankart): Latarjet-Butée statt arthroskopischer Reparatur (zu hohe Rezidivrate mit Bankart allein).

Physiotherapeutische Behandlung

  • Postoperativ nach arthroskopischer Bankart-Reparatur: Immobilisierung 4-6 Wochen, Pendelübungen ab T+3. Progressive passive Mobilisierung in Flexion. Keine Außenrotation über 0° für 6 Wochen.
  • Progressive Kräftigung ab 3 Monaten: Rotatorenmanschette (Außenrotatoren als Priorität), Deltamuskel, Skapulafixatoren. Exzentrische Arbeit.
  • Propriozeption und dynamische Stabilisierung: Übungen in geschlossener Kette, Perturbationen, Training auf instabiler Unterlage. Neuromuskuläre Rekonditionierung.
  • Rückkehr zum Kontakt-/Wurfsport: mindestens 6-9 Monate. Progressives sportspezifisches Programm. Funktionelle Bewertung vor Wiederaufnahme.

Durchschnittliche Dauer

12 bis 24 Wochen postoperativ

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Wissenschaftliche Quellen

Nur allgemeine Information: Dieser Inhalt ermöglicht weder Diagnose noch Verordnung. Ihre Situation muss medizinisch beurteilt werden.