Bandverletzung

Glenohumerale Instabilität

Chronische Instabilität nach Luxation oder wiederholten Subluxationen. Funktionelle und chirurgische Optionen.

Die glenohumerale Instabilität bezeichnet die Unfähigkeit des Humeruskopfes, während der Schulterbewegungen korrekt in der Glenoidhöhle zentriert zu bleiben. Sie resultiert aus einem Versagen der statischen (Labrum, Ligamente, Gelenkkapsel) und/oder dynamischen (Rotatorenmanschette, Skapulafixatoren) Stabilisatoren. Die TUBS-AMBRII-Klassifikation unterscheidet zwischen traumatischer unidirektionaler Instabilität (TUBS — oft Bankart-Läsion, häufig chirurgisch) und atraumatischer multidirektionaler Instabilität (AMBRII — Rehabilitation als Erstbehandlung).

Merkmale

  • Apprehension bei armierter Position (Abduktion + Außenrotation). Subluxationsepisoden. Funktionelle Schulterschwäche bei Überkopfbewegungen.
  • Apprehensionstest und Relokationstest (Jobe): Spezifität > 90%. Schubladentest anterior/posterior. Beighton-Score zur Quantifizierung der allgemeinen Hyperlaxität.
  • Arthro-MRT: Beurteilung des Labrums, der Bänder und der Kapsel. Quantifizierung des glenoidalen Knochenverlusts. CT mit 3D-Rekonstruktion für die präoperative Planung (Glenoidknochenverlust, Hill-Sachs).
  • Assoziierte Läsionen: Bankart-Läsion (Labrum-Ablösung), Hill-Sachs-Impressionsfraktur, SLAP-Läsion (superiores Labrum), Rotatorenmanschettenriss (> 40 Jahre).

Medizinische und chirurgische Behandlung

  • Glenoidaler Knochenverlust < 25%, kein Hill-Sachs off-track: arthroskopische Bankart-Reparatur durch resorbierbare Anker. Refixierung des antero-inferioren Labrums an der Glenoide.
  • Knochenverlust > 25%, Hill-Sachs off-track oder Bankart-Versagen: Latarjet-Operation (Transfer des Korakoidfortsatzes auf den anterioren Glenoidrand — dreifache knöcherne, kapsuläre und muskuläre Verriegelung).
  • Alternativen: Hill-Sachs-Remplissage (arthroskopische Füllung der Delle durch die Infraspinatus-Sehne — HARO-Technik), glenoidale Knochentransplantation (Bristow, Beckenkammtransplantat).

Physiotherapeutische Behandlung

  • Funktionelle Rehabilitation als Erstbehandlung bei atraumatischer Instabilität. Intensives Kräftigungsprogramm der Rotatorenmanschette und Skapulafixatoren 3-6 Monate.
  • Kräftigung der Außenrotatoren und des Subscapularis. Propriozeptives Training in zunehmend instabilen Positionen. Neuromuskuläre Kontrolle in der armierten Position.
  • Korrektur der skapulären Dyskinesie: Kräftigung des unteren Trapezius und des Serratus anterior. Wiederherstellung des normalen skapulohumeralen Rhythmus.
  • Postoperative Rehabilitation (Bankart/Latarjet): Immobilisierung 4-6 Wochen. Progressive Mobilisierung. Keine forcierte Außenrotation für 6 Wochen. Rückkehr zum Kontaktsport nach 6-9 Monaten.

Chirurgische Techniken

  1. Arthroskopische Bankart-Reparatur

    Refixierung des anterioinferioren Labrums am Glenoid durch resorbierbare Anker. Indiziert bei fehlendem signifikantem Knochenverlust.

  2. Latarjet-Verfahren

    Transfer des Korakoidfortsatzes auf den vorderen Glenoidrand. Dreifach stabilisierende Wirkung: knoechern, kapsulaer und muskulaer.

  3. Hill-Sachs-Remplissage (HARO)

    Arthroskopische Auffuellung der Humerusdelle mit der Infraspinatussehne. Kombiniert mit Bankart oder Latarjet je nach Knochenverlust.

Durchschnittliche Dauer

12 bis 24 Wochen postoperativ

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Wissenschaftliche Quellen

Nur allgemeine Information: Dieser Inhalt ermöglicht weder Diagnose noch Verordnung. Ihre Situation muss medizinisch beurteilt werden.